Startseite Leben mit Diabetes Continuous Ketone Monitoring (CKM): kontinuierliche Ketonmessung bei Diabetes

Continuous Ketone Monitoring (CKM): kontinuierliche Ketonmessung bei Diabetes

Dieser Artikel richtet sich an Erwachsene mit Diabetes oder Interesse an modernen Diabetes-Technologien. Er ersetzt keine individuelle ärztliche Diagnostik oder Beratung. Lassen Sie gesundheitliche Beschwerden und auffällige Messwerte immer ärztlich abklären.

Redaktioneller Hinweis: Dieser Artikel nennt Produktnamen, weil sie für das Verständnis der Technologie relevant sind. Es handelt sich nicht um eine Produktempfehlung.

Viele Menschen mit Diabetes achten täglich auf ihren Blutzucker. Ein zweiter Wert rückt nun zunehmend in den Fokus: Ketone. Lange wurde die kontinuierliche Ketonmessung als Zukunftsthema gehandelt, doch sie ist inzwischen Realität. Im Mai 2026 erhielt Abbott als erstes Unternehmen weltweit die CE-Kennzeichnung für einen Sensor, der Glukose und Ketone gleichzeitig misst (5). Damit beginnt für das sogenannte Continuous Ketone Monitoring (CKM) der Übergang von der Forschung in die Versorgung.

Der Hintergrund: Ketone können frühzeitig anzeigen, dass der Stoffwechsel aus dem Gleichgewicht gerät, oft schon bevor deutliche Symptome auftreten. Besonders relevant ist das mit Blick auf die diabetische Ketoazidose, eine ernste Stoffwechselentgleisung.

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Was sind Ketone, kurz erklärt?

Ketone, auch Ketonkörper genannt, entstehen, wenn der Körper Fett statt Glukose zur Energiegewinnung nutzt. Das geschieht zum Beispiel bei längerem Fasten, bei sehr kohlenhydratarmer Ernährung, bei intensivem Sport, aber auch bei Insulinmangel (3). Die Leber bildet dabei Ketonkörper, die als alternative Energiequelle dienen. In normalen Mengen sind Ketone unbedenklich. Problematisch wird es erst, wenn sie sich unkontrolliert ansammeln.

Steigen die Ketonwerte stark an, kann eine diabetische Ketoazidose (DKA) entstehen, eine akute und potenziell lebensbedrohliche Stoffwechselentgleisung (2, 4). Ausführlich erklären wir die Hintergründe, den Unterschied zwischen harmloser Ketose und gefährlicher Ketoazidose sowie die richtige Ernährung in unserem Artikel zu Ketose und Ketonen bei Typ-2-Diabetes.

Was ist Continuous Ketone Monitoring (CKM)?

Continuous Ketone Monitoring bezeichnet die kontinuierliche Messung von Ketonen über einen am Körper getragenen Sensor. Das Prinzip ähnelt dem Continuous Glucose Monitoring (CGM), das für viele Menschen mit Diabetes längst zum Alltag gehört: Ein kleiner Sensor am Oberarm misst fortlaufend einen Wert und überträgt ihn an ein Smartphone oder einen Empfänger.

Bei CKM erfasst der Sensor den wichtigsten Ketonkörper, das Beta-Hydroxybutyrat, und macht dessen Veränderungen in Echtzeit sichtbar (1). Der entscheidende Unterschied zu klassischen CGM-Systemen: Diese messen ausschließlich Glukose und erfassen Ketone nicht. Gerade bei einer drohenden Ketoazidose können die Ketonwerte aber steigen, ohne dass der Blutzucker dies zuverlässig anzeigt. Ein CKM-System schließt diese Lücke.

CGM und CKM im Vergleich

Merkmal CGM (Glukosemessung) CKM (Ketonmessung)
Gemessener Wert Glukose Beta-Hydroxybutyrat (Keton)
Hauptnutzen Tägliches Blutzuckermanagement Früherkennung steigender Ketonwerte
Verbreitung Etabliert, weit verbreitet Neu, erste Zulassung 2026
Erkennt drohende Ketoazidose? Nur indirekt Ja, unabhängig vom Blutzucker

Der erste zugelassene Sensor: Abbott Libre Duo

Am 27. Mai 2026 erhielt Abbott die CE-Kennzeichnung für die Systeme „Libre Duo“ und „Libre Duo 10 Day“, die Glukose und Ketone in einem einzigen Sensor jede Minute messen (5, 6). Es ist das erste Mal, dass Menschen mit Diabetes Ketone kontinuierlich überwachen können, ohne herkömmliche Blut- oder Urinteststreifen zu verwenden.

Nach Angaben des Herstellers richtet sich das System an Menschen mit erhöhtem Risiko für eine diabetische Ketoazidose. Dazu zählen Menschen mit Typ-1-Diabetes und ebenso Menschen mit Typ-2-Diabetes, die Insulin oder bestimmte blutzuckersenkende Medikamente wie SGLT-2-Hemmer einnehmen (5). Der Sensor ist zudem mit verschiedenen automatisierten Insulinabgabe-Systemen (AID-Systemen) kompatibel.

Wichtig für die Einordnung: Die CE-Kennzeichnung bedeutet die Zulassung für den europäischen Markt, nicht die sofortige Verfügbarkeit. Abbott plant die Einführung in ausgewählten europäischen Ländern noch im Jahr 2026 (6). Wann und für welche Personengruppen das System in Deutschland erhältlich sein wird und ob die Krankenkassen die Kosten übernehmen, ist derzeit noch offen.

Was bedeutet CKM für Menschen mit Typ-2-Diabetes?

Lange galt die diabetische Ketoazidose fast ausschließlich als Thema des Typ-1-Diabetes. Das hat sich verändert. Ein Grund dafür ist der breitere Einsatz von SGLT-2-Hemmern. Diese Medikamente können in seltenen Fällen eine euglykämische Ketoazidose auslösen, bei der die Ketonwerte gefährlich steigen, während der Blutzucker normal bleibt.

Genau hier kann die kontinuierliche Ketonmessung künftig einen Beitrag leisten, weil sie steigende Ketonwerte unabhängig vom Blutzucker sichtbar macht. Den Zusammenhang zwischen SGLT-2-Hemmern und Ketoazidose erklären wir ausführlich im Artikel zu Ketose bei Typ-2-Diabetes.

Wann ist eine kontinuierliche Ketonmessung sinnvoll?

Ein internationales Positionspapier, das 2026 in „The Lancet Diabetes & Endocrinology“ veröffentlicht wurde, benennt Personengruppen mit besonders hohem Ketoazidose-Risiko, die von CKM profitieren könnten (1):

  • Menschen, die eine Insulinpumpe nutzen, bei möglichen Problemen an der Infusionsstelle oder am Infusionsset
  • Menschen mit Diabetes und Begleiterkrankungen wie chronischer Nieren- oder Herz-Kreislauf-Erkrankung
  • Schwangere mit bestehendem Diabetes oder Schwangerschaftsdiabetes
  • Menschen, die SGLT-2-Hemmer einnehmen und dadurch ein erhöhtes Risiko für eine euglykämische Ketoazidose haben

Für die Bewertung der Ketonwerte schlägt das Positionspapier folgende Schwellenwerte vor: normal unter 0,6 mmol/l, erhöht 0,6 bis 1,5 mmol/l, hoch über 1,5 bis unter 3,0 mmol/l und dringend hoch ab 3,0 mmol/l (1). Um eine Alarmmüdigkeit zu vermeiden, wird empfohlen, automatische Alarme erst ab 3,0 mmol/l auszulösen.

Was CKM heute noch nicht leistet

Mit der CE-Kennzeichnung ist CKM keine reine Zukunftsvision mehr, dennoch steht die Technologie am Anfang. Fachgesellschaften sehen großes Potenzial, vor allem für Menschen mit erhöhtem Ketoazidose-Risiko (1).

Gleichzeitig gibt es offene Fragen. Die Genauigkeit im sehr niedrigen Wertebereich ist anspruchsvoll, da die Ketonwerte bei den meisten Menschen die meiste Zeit unter 0,6 mmol/l liegen (1). Das Positionspapier empfiehlt deshalb, dass Anwender zusätzlich ein Blutketon-Messgerät bereithalten, um auffällige Werte zu überprüfen, wenn die Symptome nicht zum angezeigten Wert passen (1). Auch die Frage der Kostenübernahme durch die Krankenkassen ist in Deutschland noch nicht geklärt. Bis CKM breit verfügbar ist, bleibt die etablierte Messung über Blut- oder Urinketone der Standard.

Fazit

Ketone geben wichtige Hinweise darauf, wie der Körper Energie nutzt und ob der Stoffwechsel stabil bleibt. Mit der ersten Zulassung eines kontinuierlichen Ketonsensors im Jahr 2026 wird die fortlaufende Überwachung dieses Werts erstmals praktisch möglich. Für Menschen mit erhöhtem Ketoazidose-Risiko, einschließlich vieler Menschen mit Typ-2-Diabetes unter SGLT-2-Hemmern, könnte das die Sicherheit im Alltag verbessern. Bis das System in Deutschland breit verfügbar und erstattungsfähig ist, bleibt die Messung über Blut- oder Urinketone der Standard. Besprechen Sie auffällige Werte und Ihr persönliches Risiko immer mit Ihrem Diabetesteam.

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Häufige Fragen zu Continuous Ketone Monitoring

Was ist der Unterschied zwischen CGM und CKM?

Ein CGM (Continuous Glucose Monitoring) misst kontinuierlich den Glukosewert. Ein CKM (Continuous Ketone Monitoring) misst kontinuierlich die Ketone, genauer das Beta-Hydroxybutyrat. Neuere Sensoren wie Abbott Libre Duo kombinieren beide Messungen in einem einzigen Gerät.

Misst ein CKM-Sensor Blutzucker oder Ketone?

Ein reines CKM-System misst Ketone. Der erste zugelassene Sensor, Abbott Libre Duo, misst jedoch beides gleichzeitig: Glukose und Ketone in einem Sensor, jede Minute.

Wann kommt Continuous Ketone Monitoring nach Deutschland?

Abbott erhielt im Mai 2026 die CE-Kennzeichnung für die Libre-Duo-Systeme und plant die Einführung in ausgewählten europäischen Ländern noch im Jahr 2026. Wann das System in Deutschland verfügbar und ob es erstattungsfähig sein wird, ist derzeit noch offen.

Für wen ist eine kontinuierliche Ketonmessung sinnvoll?

Sinnvoll sein kann CKM vor allem für Menschen mit erhöhtem Risiko für eine diabetische Ketoazidose. Dazu zählen Menschen mit Typ-1-Diabetes, Insulinpumpennutzer, Schwangere mit Diabetes sowie Menschen mit Typ-2-Diabetes, die Insulin oder SGLT-2-Hemmer einnehmen.

Ersetzt CKM die Blutketonmessung?

Nein, derzeit nicht. Das Positionspapier empfiehlt, dass Anwender eines CKM-Systems zusätzlich ein Blutketon-Messgerät bereithalten, um auffällige Werte zu überprüfen, wenn die Symptome nicht zum angezeigten Wert passen.

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Quellen
  1. Diatec Weekly: Nach Glucose kommen Ketone (Bericht zum CKM-Positionspapier in The Lancet Diabetes & Endocrinology, Breakthrough T1D Workshop). https://diatec-weekly.de/nach-glucose-kommen-ketone/
  2. Diabetes UK: Ketones and Diabetes. https://www.diabetes.org.uk/guide-to-diabetes/complications/diabetic-ketoacidosis-dka/ketones-and-diabetes
  3. diabetesDE – Deutsche Diabetes-Hilfe: Ketone (Ketonkörper). https://www.diabetesde.org/ueber_diabetes/was_ist_diabetes/lexikon/k/ketone
  4. Health Service Executive (HSE Ireland): Ketones and Diabetic Ketoacidosis (DKA). https://www2.hse.ie/conditions/diabetic-ketoacidosis/
  5. Abbott: Abbott secures CE Mark for world's first dual glucose-ketone sensing technology for people with diabetes (Pressemitteilung, 27.05.2026). https://abbott.mediaroom.com/2026-05-27-Abbott-secures-CE-Mark-for-worlds-first-dual-glucose-ketone-sensing-technology-for-people-with-diabetes
  6. Diabetes-Anker: Weltweit erster dualer Glukose-Keton-Sensor – Libre-Duo-Systeme von Abbott erhalten CE-Kennzeichnung (01.06.2026). https://diabetes-anker.de/technik/weltweit-erster-dualer-glukose-keton-sensor-libre-duo-systeme-von-abbott-erhalten-ce-kennzeichnung/
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